Sehr gerne ist der Landtagskandidat und Kreisrat der Grünen Main-Tauber, Gerd Bayer, einer Einladung von Elisabeth Giesen, Vorsitzende der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Schwäbische Hall – Tauberbischofsheim, zum Informationsgespräch gefolgt. Mit zahlreichen Statistiken konnte sie gemeinsam mit der Pressesprecherin, Verena Kraus, die aktuellen Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt verdeutlichen.
Vor allem für Auszubildende im Flächenlandkreis Main-Tauber sei der schlecht ausgebaute öffentliche Personennahverkehr ein großes Problem, so Giesen. Wichtige Ziele seien auch in der als zumutbar geltenden einfachen Fahrzeit von 1,5 Stunden nicht erreichbar. Weil es zum Beispiel für Metzger kein Berufsschulangebot im Landkreis mehr gebe, würden manche von dieser Berufswahl Abstand nehmen. Einige Firmen seien deshalb bereits dazu übergegangen, ihren Auszubildenden oder Beschäftigten Autos zu stellen. Gerade kleinen Handwerksbetrieben sei dies jedoch nicht möglich.
Rein rechnerisch gebe es zwar rund doppelt so viele Ausbildungsstellen wie Bewerber. Dieses Verhältnis sei jedoch nicht in allen Branchen gleich. In der Industrie sei das Verhältnis etwa ausgewogen. Im Handwerk kämen auf jeden Bewerbenden dagegen zwei Ausbildungsangebote. Manche Betriebe böten schon gar keine Ausbildungsplätze mehr an, da sich ohnehin niemand bewerbe. Einen großen Einfluss auf ihre Berufswahl habe, wie Jugendliche die Zukunftsperspektive von verschiedenen Berufen einschätzen. Berufe im Industriebereich verlieren im Vergleich zu anderen Berufen aufgrund der aktuellen Diskussionen etwas an Attraktivität.
Sorgen machten der Arbeitsagentur unzureichende deutsche Sprachkenntnisse bei Zugewanderten. Sie verließen die Schule oft mit einem Sprachniveau von A2 oder B1, was für eine Berufsausbildung nicht ausreichend sei. Für Auszubildende ohne ausreichende deutsche Sprachkenntnisse gebe es jetzt AVDual-Klassen mit je etwa 30 Schülern. Dort werde einerseits Deutsch gelehrt, andererseits würden sie durch Betriebspraktika an die Arbeitswelt herangeführt. Mit der Firma Wittenstein wurde für Migranten das sehr erfolgreiche Konzept Ausbildung plus 1 entwickelt. In der um ein Jahr längeren Ausbildung würden die erforderlichen deutschen Sprachkenntnisse vermittelt. Mittlerweile werde dieses Konzept auch bei anderen Unternehmen angewandt.
Beschäftigungshindernisse sieht Elisabeth Giesen darüber hinaus in fehlenden Kinderbetreuungsmöglichkeiten. Dies liege vor allem an einem Mangel an Erzieherinnen und Erziehern. Um diesem zu begegnen wurde in Baden-Württemberg die Möglichkeit zum Kita-Direkteinstieg geschaffen. Arbeitslose mit sozialer Kompetenz, zum Beispiel aus dem Einzelhandel, könnten zwei Jahre lang als Helfer im Kindergarten arbeiten und in dieser Zeit zwei Tage pro Woche die Schule besuchen. Anschließend hätten sie die Möglichkeit, eine Ausbildung zur Erzieherin oder Kinderpflegerin zu machen. Gerd Bayer fragte nach der Nutzung des Qualifizierungschancengesetzes. Hierzu konnte Elisabeth Giesen Erfreuliches berichten. In ihrem Bezirk gebe es die höchste Zahl von Nutzern in ganz Baden-Württemberg. Damit würden Menschen für Mangelberufe wie LKW- und Busfahrer oder Elektriker qualifiziert.
Abschließend sprach sich die Vorsitzende der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Schwäbisch Hall – Tauberbischofsheim dafür aus, in der öffentlichen Diskussion die Probleme auf einer verlässlichen Datengrundlage differenziert statt mit populistischen Argumenten zu diskutieren. Darin war sie sich mit Gerd Bayer einig.