Das Fachkräftebündnis Heilbronn-Franken, bestehend aus der Agentur für Arbeit Heilbronn, der Agentur für Arbeit Schwäbisch Hall-Tauberbischofsheim, des DGB Region Heilbronn-Franken, der Handwerkskammer Heilbronn-Franken, der Industrie- und Handelskammer Heilbronn-Franken, der SÜDWESTMETALL Verband der Metall- und Elektroindustrie e.V., Bezirksgruppe Heilbronn/Region Franken und der Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken GmbH, hat in einer gemeinsamen Erklärung zum Thema „Zukunft sichern in Heilbronn-Franken: Strategisches Handeln für Fachkräftesicherung in Krisenzeiten“ auch drei Forderungen an die Politik aufgestellt. Lesen Sie hier, was wir Grüne dazu zu sagen haben.
Forderung 1: Future Skills und digitale Qualifizierung fördern
Verlässliche Finanzierung für Weiterbildungsprogramme sichern, gezielte Förderung von regionalen Qualifizierungsinitiativen und Ausbau digitaler Lerninfrastrukturen.
Unser Land steckt mitten in gesellschaftlichen, technologischen, ökonomischen und ökologischen Umbrüchen, die alle zeitgleich stattfinden und ineinandergreifen. Künstliche Intelligenz, Digitalisierung, Migration und die Transformation zu einer klimaneutralen Gesellschaft verändern unsere Gesellschaft und unsere Arbeitswelt. Lebenslanges Lernen ist der Schlüssel, um Menschen angesichts dieses Wandels zur gesellschaftlichen, politischen, beruflichen und sozialen Teilhabe zu befähigen. Von Investitionen in Weiterbildung profitieren ganz besonders gering Qualifizierte, Zugewanderte und ältere Beschäftigte. Weiterbildung trägt damit zu Integration, sozialer Gerechtigkeit und gesellschaftlichem Zusammenhalt bei.
Die vielfältigen Umbrüche unserer Zeit verändern Arbeitsplätze und die Erwartungen an Fähigkeiten von Arbeitnehmer*innen. Der Weiterbildung kommt in einer sich verändernden Welt eine Schlüsselrolle bei der Fachkräftesicherung zu. Wir wollen allen Menschen berufliche Weiterbildungs- und Qualifizierungsangebote ermöglichen. Mit „WEITER.mit.BILDUNG@BW“ haben wir eine Weiterbildungsoffensive gestartet, die Menschen neue Chancen eröffnet: durch Qualifizierung und die Möglichkeit, Berufsabschlüsse nachzuholen. Ziel ist es, die Wettbewerbsfähigkeit unserer Betriebe zu steigern, Fachkräfte zu binden und die Vernetzung zwischen Wirtschaft und Weiterbildungspartnern zu stärken. Wir eröffnen Unternehmer*innen so die Möglichkeit, ihre Beschäftigten weiter zu qualifizieren, um gemeinsam mit ihnen wachsen zu können.
Diese Offensive wollen wir fortführen und zugleich weiterentwickeln, auch gezielt für ältere Erwerbstätige. Programme zur Zweitausbildung haben wir aufgebaut; sie sollen verstetigt werden. Zudem setzen wir auf ein Qualifizierungseinkommen, das Menschen im Erwerbsleben eine Auszeit für Weiterbildung ermöglicht. Um auch Erwachsenen mit geringen Fähigkeiten in den Basiskompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen, mit unzureichenden Deutschkenntnissen sowie fehlenden digitalen Kompetenzen wirkliche gesellschaftliche und berufliche Teilhabe zu ermöglichen, sind passende Angebote zur Alphabetisierung und Grundbildung unerlässlich.
Der arbeitsplatzorientierten Grundbildung kommt dabei eine wesentliche Bedeutung zu. In der Landesstrategie zur Förderung der Alphabetisierung und Grundbildung haben wir die Anstrengungen des Landes in diesem Bereich gebündelt und die Zusammenarbeit mit den Weiterbildungspartnern gestärkt. Diese erfolgreiche Arbeit wollen wir fortführen und auch in den kommenden Jahren finanziell absichern.
Die berufliche Weiterbildung an Hochschulen haben wir gestärkt. Denn Hochschulen sind führende Partner von Arbeitnehmer*innen und Arbeitgeber*innen für lebenslanges Lernen und besonders wichtig, um dringend benötigte Fachkräfte zu sichern. Wir setzen uns dafür ein, die Strukturen der wissenschaftlichen Weiterbildung an unseren Hochschulen in Baden-Württemberg weiter auf- und auszubauen. Dafür werden wir die Mittel zur Vernetzung mit der Wirtschaft weiter ausbauen. Gegenüber EU und Bund werden wir uns dafür stark machen, die Rechtslage zu vereinfachen.
Forderung 2: Internationale Fachkräfte gewinnen und integrieren
Weitere Erleichterungen zur Anerkennung ausländischer Abschlüsse, digitale Beschleunigung von Visa- und Anerkennungsverfahren, sowie einheitliche Anlaufstellen für Fachkräfte und Unternehmen.
Baden-Württemberg ist ein starkes Einwanderungsland. Menschen aus aller Welt kommen zu uns, weil sie hier Chancen sehen und an einer gemeinsamen Zukunft mitwirken wollen. Sie bringen Wissen, Tatkraft und neue Perspektiven mit – und machen unser Land dadurch innovativer, vielfältiger und zukunftsorientierter. Unter den Flächenländern haben wir einen der höchsten Anteile an Menschen mit Migrationsgeschichte. Unsere exportstarke Wirtschaft ist auf Fachkräfte aus dem In- und Ausland angewiesen. Integration ist keine Einbahnstraße. Wir müssen dauerhaft Angebote schaffen, die gegenseitigen Austausch ermöglichen. Vier Säulen sind entscheidend: Sprache, Arbeit, Teilhabe und die Anerkennung unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Wir schaffen gute Rahmenbedingungen, damit Menschen in unserer Gesellschaft ankommen und teilhaben können. Wir stehen für ein weltoffenes Baden-Württemberg, in dem Herkunft kein Hindernis, sondern eine Chance ist.
Forderung 3: Nachhaltigkeit und Digitalisierung als Standard etablieren
Steuerliche Anreize für nachhaltige Technologien und digitale Transformation schaffen, Investitionen in grüne Technologien und Infrastrukturen fördern.
Die Industrie im Land befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Wir wollen die Unternehmen weiterhin aktiv bei der Umstellung der Energieträger begleiten und ihnen einen verlässlichen Rahmen geben. Wasserstoff ist ein Schlüssel für die Dekarbonisierung von Prozessen und Industriezweigen, die schwer zu elektrifizieren sind. Wasserstoff, ob selbst produziert oder importiert, kann als Backup unsere Energieversorgung stabilisieren. Als vielseitig einsetzbarer Energieträger unterstützt er den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen und stärkt somit eine nachhaltige, zukunftsorientierte und resiliente Energieversorgung. Deshalb setzen wir uns dafür ein, dass neue Backup-Kraftwerke künftig mit Wasserstoff statt mit Gas betrieben werden. Die Kraftwerke sind als Ankerkunden für das Wasserstoffnetz von zentraler Bedeutung.
Mit der „Wasserstoff-Roadmap BW“ und zahlreichen internationalen Wasserstoffpartnerschaften forciert die grün-geführte Landesregierung den Ausbau der Wasserstoffwirtschaft: Durch das gegenwärtige, attraktive Förderprogramm für Elektrolyseure zur Wasserstoff-Herstellung wird Baden-Württemberg zu einer Modellregion für grünen Wasserstoff. Das Land fördert unter anderem regionale Wasserstoff-Hubs sowie Verbund- und Modellprojekte. Baden-Württemberg beteiligt sich an grenzüberschreitenden Partnerschaften und setzt sich für europäische Wasserstoffnetze ein. Durch die Zusammenarbeit mit vertrauensvollen Partnern weltweit sichern wir die langfristige Versorgung mit Wasserstoff und fördern den Technologieaustausch.
Für die nächste Phase der Energiewende schlagen wir zudem vor, in einem Innovationscampus „Energie & Klimaschutz“ Wissenschaft, Innovation und Politik zur Gestaltung eines Energiesystems zu verknüpfen, das auf 100 Prozent Erneuerbare ausgelegt ist. Dafür bündeln wir unsere Aktivitäten im gesamten Land und verbinden Grundlagenforschung mit der Umsetzung in einer Kette. Wir setzen auf die Entwicklung von energieeffizienter, spezialisierter künstlicher Intelligenz. So wird Baden-Württemberg zur Leitregion für nachhaltige Energiesysteme und zum Vorreiter für eine ressourcensparsame digitale Transformation.