Bei der Landeswahlversammlung am 24./25. Mai 2025 in Heidenheim wurde ich auf Platz 40 der Landesliste gewählt. Ich freue mich über dieses tolle Ergebnis und danke den Delegierten, die mir Ihre Stimme gaben, für ihr Vertrauen.
Ein Video von meiner Vorstellungsrede auf dem Parteitag gibt es hier:
Mein vorbereiteter Redetext
Liebe Freundinnen und Freunde,
mein Name ist Gerd Bayer, ich bin Biolandwirt, gelernter Koch, ehemaliger Modefotograf – und, wie wahrscheinlich alle hier, leidenschaftlicher Kämpfer für eine lebenswerte Zukunft.
Meine Geschichte beginnt in Rüsselhausen, mitten im Main-Tauber-Kreis, auf einem Hof, den meine Familie bewirtschaftet. Es war eine Bilderbuchkindheit! – Draußen, frei, eingebettet in eine Großfamilie und eine funktionierende Dorfgemeinschaft. Ich kann mich an keinen Tag erinnern, an dem ich nach Hause kam und es war niemand da.
Als Kind der 80ér Jahre bin ich mit dem Selbstverständnis aufgewachsen, dass alles immer besser wird.
Das Dorfleben hat mich nie eingeschränkt. Auch als Jugendlicher habe ich noch gerne auf dem Land gelebt. Lediglich mein beruflicher Werdegang hat mich in die Welt geführt. Ich war Fotograf, arbeitete in Hamburg, Berlin und später in New York, – ich war Teil einer unglaublichen Hochglanzwelt. Ich bin weit über 30 mal im Jahr geflogen, hab ein Vermögen für Kleidung ausgegeben und konsumiert, was das Zeug hält.
Das Verrückte an der ganzen Sache war, dass wir uns bei Shootings in der Mittagspause über den Klimawandel, schlechte Haltung von Tieren und Arbeitsbedingungen von Fabrikarbeitern unterhalten haben, während wir, obwohl wir im Studio waren, von Einweg-Geschirr gegessen haben. Um dann – nach der Pause – am Set genau die Kleidung, die unter schlimmsten Bedingungen produziert wurde, gut aussehen zu lassen, damit sie möglichst viel gekauft wird.
Das hat irgendwann dazu geführt, dass ich mein eigenes Handeln immer mehr hinterfragt habe. Anfänglich war die große weite Welt, der Luxus und das Reisen genau das, was ich mir vorgestellt hatte. Als ich aber mehrere Jahre in New York gelebt habe wurde mir immer bewusster, was ich zu einer immer schlimmer werdenden Klimakrise und Umweltbelastung beitrage.
Ich habe durch meine Arbeit überhöhten Konsum angekurbelt. — Konsum ist wichtig, aber nicht in der Menge und Art und Weise.
Ich wollte nicht länger Teil des Problems sein, sondern Teil der Lösung!
Parallel zum Zweifeln an meiner Arbeit gab es für meinen elterlichen Betrieb keine Zukunft mehr. Meine Familie steckte komplett in der Arbeitsfalle von „wachse oder weiche“. Das war die Devise von Politik und Beratung. Profitiert haben davon die Industrie, die Banken und am Ende auch die Kunden, die Lebensmittel kaufen konnten die die eigentlichen Produktionskosten nicht widerspiegeln.
Also entschloss ich mich, zurück aufs Land zu ziehen und den Hof meiner Eltern von konventionell und Masse auf Bio und Extensivierung umzustellen. Mir war wichtig, durch mein tägliches Handeln zwar wirtschaftlich zu sein, aber auch nachhaltig etwas zu verändern.
Seit nun fast 10 Jahren bewirtschafte ich den Hof meiner Familie. Leicht war die Umstellung nicht. Ich würde es aber auf gar keinen Fall anders machen wollen-bio, aus Liebe zur Natur, Tier und Mensch.
Ich bin schwul – offen, sichtbar, selbstverständlich. Ich habe gelernt, dass es nicht darum geht, sich zu verbiegen, sondern authentisch seinen Weg zu gehen – auch auf dem Land.
Meine Großmutter hat auf mein Outing hin gesagt: „es tut mir leid, dass du dadurch immer wieder Probleme haben wirst“
Ich kann sagen, bin sehr froh, dass sie Unrecht hatte! Aber auch deshalb stehe ich hier!
Um dafür zu kämpfen, dass es genau so bleibt! Und natürlich bin ich nicht nur schwul, sondern Teil der queeren Community
LGBTQI+ klingt wahnsinnig sperrig. Aber selbst wenn wir das ganze Alphabet benötigen, um allen Menschen die Gewissheit zu geben, sie sind gut so wie sie sind und haben einen Platz in der Mitte unserer Gesellschaft, dann machen wir das!
Ich will machen, anpacken, verändern. Ich will Verantwortung tragen – nicht nur für Tiere und Böden, sondern für eine ganze Region. Ich will als gutes Beispiel vorrangehen
Ich bin überzeugt: Das Ländliche ist kein Anhang der urbanen Welt – es ist ihr gleichwertiger Partner.
Der Main-Tauber-Kreis ist keine Randnotiz – er ist ein Herzstück Baden-Württembergs. Neben unserer Kulturlandschaft, unseren Höfen, unseren Schulen, unseren Vereinen gibt es auch mittelständische Firmen, die auf dem Weltmarkt führend sind, und eine Hochschule – Das ist Vielfalt. Das ist Zukunft.
Wir stehen vor großen Aufgaben. Und ich stehe für klare Antworten:
Ich stehe für eine Agrarwende, die Bäuerinnen und Bauern stärkt, nicht überlastet. Für eine klare Klimapolitik, die wirtschaftliche Perspektiven schafft. Gerade auch Zzwischen Landwirtschaft und Energiegewinnung. Wir haben die Flächen, die es für die Energiewende braucht.
Was ebenfalls nötig ist, ist der Erhalt unserer Wirtschaft im ländlichen Raum. Wir brauchen eine Industrie, die bereit ist sich zu unseren Standorten zu bekennen. Die bei ihrer Entwicklung unbürokratisch unterstützt wird. Die bereit ist, nicht nur profitorientiert zu agieren, sondern sich ihrer Verantwortung für den Erhalt der ländlichen Räume stellt.
Ich bin für einen respektvollen Umgang mit Vielfalt – in der Natur, aber auch in der Gesellschaft. Als schwuler Mann auf dem Land weiß ich, was es heißt, für Akzeptanz einzustehen.
Kampf gegen den Klimawandel.
Nicht irgendwann, nicht irgendwie – sondern jetzt, entschlossen und mit einer Vision, die Stadt und Land gleichermaßen mitnimmt. Die Landwirtschaft muss zwingend Teil der Lösung sein – wenn wir sie neu denken: regenerativ, regional, resilient.
Absolute Gleichberechtigung. Für alle.
Unabhängig von Herkunft, Geschlecht, sexueller Orientierung oder Einkommen. Gleichstellung, Chancengleichheit und Menschenrechte sind nicht verhandelbar – national wie international.
Erhalt von Natur und Kulturlandschaft.
Hecken, Wälder, alte Steinmauern – sie sind keine Deko. Sie sind Lebensraum, Geschichte, Identität. Ich kämpfe für eine Politik, die schützt, bewahrt und neue Räume schafft – für Artenvielfalt, für Klimaschutz, für kommende Generationen. Es macht mich wahnsinnig traurig zu sehen wie Parteien am rechten Rand Begriffe wie Heimat für sich nutzen und somit für viele andere negativ besetzen!
Ich bin stolz auf meine Heimat und auch darüber, wenn Fremde sie irgendwann ihre Heimat nennen!
Stärkung des Ländlichen Raums.
Nicht mit milder Förderung, sondern mit konkreten Strategien für gleichwertige Lebensverhältnisse. Wir wollen kein flächendeckendes Freilandmuseum sein! Wir brauchen Infrastruktur, Mobilität, Digitalisierung – das sind keine Luxuswünsche, das sind Grundrechte.
Bildung, Umwelt und Kultur – als Dreiklang.
- Wir brauchen Schulen, die mehr können als Lehrpläne abhaken.
- Wir brauchen Inklusion, die funktioniert.
- Lasst uns Strukturen schaffen, die Menschen wieder näher zusammenbringen. Warum trennen wir die Betreuung von Kindern und pflegebedürftigen Menschen?
- Wir brauchen Umweltbildung, die Menschen berührt.
- Wir brauchen Kennzeichnungen auf allen Produkten, dass bei jeder Kaufentscheidung klar ist, was hinter dem Produkt steht.
- Und wir brauchen Kultur auf dem Land – weil Kultur Zusammenhalt schafft- und ohne den macht alles keinen Sinn.
Schlussendlich ist und doch allen klar, dass es keine Frage ist wie viel Veränderung wir uns leisten können, sondern dass wir nicht mehr so weitermachen können, wie in den letzten Jahrzehnten. Im ländlichen Raum gibt es ein erhebliches grünes Stimmenpotential. Ich traue mir mit meiner Biografie und meiner Erfahrung zu, es zu erschließen. Bei der Kreistagswahl 2024 habe ich auf dem letzten Platz kandidiert und dennoch die meisten Stimmen bekommen. Für einen Listenplatz bei der Landtagswahl bitte ich euch heute um eure Stimmen: Bauer sucht Listenplatz.