im Gespräch Kreishandwerksmeister Timo SzaboDas Handwerk steht vor großen Herausforderungen: Fachkräftemangel, die Suche nach Betriebsnachfolgerinnen und -nachfolgern sowie die Gewinnung von Auszubildenden beschäftigen viele Betriebe. Auch die Situation von Frauen im Handwerk und faire Wettbewerbsbedingungen waren zentrale Themen beim Gespräch von Gerd Bayer MdL mit Kreishandwerksmeister Timo Szabo und Geschäftsführerin Angelika Gold von der Kreishandwerkerschaft.
Berufsorientierung und flexible Ausbildung
Ein Schwerpunkt des Gesprächs war die Berufsorientierung an Schulen. „Junge Menschen müssen frühzeitig die ganze Vielfalt ihrer beruflichen Möglichkeiten kennenlernen und das gilt ausdrücklich auch für Gymnasien“, betont Gold. Eine Ausbildung im Handwerk biete attraktive Perspektiven und müsse deshalb gleichwertig neben dem akademischen Bildungsweg sichtbar gemacht werden.
Auch die Gestaltung der Ausbildung wurde diskutiert. Zwar steigen die Ausbildungszahlen leicht, gleichzeitig bleibt der Fachkräftemangel eine zentrale Herausforderung. Gold sprach sich deshalb für mehr Flexibilität bei Ausbildungszeiten und Prüfungen aus. Nicht alle Auszubildenden benötigten gleich viel Zeit, um den Stoff erfolgreich zu bewältigen. Auch die Möglichkeit, ein Ausbildungsjahr zu wiederholen, könne jungen Menschen eine wichtige zweite Chance geben.
Bayer unterstützt den Ansatz: „Wir müssen jungen Menschen ermöglichen, ihren eigenen Weg in der Ausbildung zu gehen. Wer etwas mehr Zeit braucht, sollte nicht vorschnell als ungeeignet gelten.“ Er kündigte an, die Anregungen mit nach Stuttgart zu nehmen.
Faire Wettbewerbsbedingungen für heimische Betriebe
Kreishandwerksmeister Timo Szabo machte zudem auf die Wettbewerbsbedingungen für deutsche Handwerksbetriebe aufmerksam. Teilweise bestünden erhebliche Unterschiede zu Unternehmen aus dem Ausland, insbesondere bei Arbeits- und Lohnbedingungen. Für heimische Betriebe entstehe dadurch ein Wettbewerbsdruck, dem sie nur schwer begegnen könnten.
„Unsere Handwerksbetriebe brauchen faire Wettbewerbsbedingungen. Wer hier ausbildet, Arbeitsplätze schafft und sich an unsere Regeln hält, darf gegenüber Unternehmen, die sich diesen Standards entziehen können, nicht zum Verlierer werden“, so Szabo.
Hier sei die Politik gefordert, faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen und gleichzeitig soziale und arbeitsrechtliche Standards sicherzustellen.
Frauen im Handwerk stärken
Um den Fachkräftemangel entgegenzuwirken, braucht es gute Rahmenbedingungen für Frauen im Handwerk so Gold. Viele Frauen beklagen sich über fehlende Regelung für Mutterschutz und Elternzeit für selbstständige Frauen.
„Wir müssen die Lebensrealitäten von Frauen im Handwerk ernst nehmen. Wer Fachkräfte gewinnen und halten will, muss Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch für Selbstständige ermöglichen“, betont Bayer.
Bürokratie abbauen
Positiv bewerten die Gesprächspartner die angekündigte Abschaffung von Dokumentationspflichten. Gerade für kleinere Handwerksbetriebe könne weniger Bürokratie eine spürbare Entlastung bedeuten.
„Handwerkerinnen und Handwerker wollen vor allem eines: ihr Handwerk machen. Jede Stunde, die ein Betrieb mit unnötiger Bürokratie verbringt, fehlt am Ende auf der Baustelle, in der Werkstatt oder im Betrieb“, so Bayer.
Für Bayer zeigt das Gespräch deutlich: „Das Handwerk ist ein unverzichtbarer Teil unserer Wirtschaft und unserer Gesellschaft. Wenn unsere Betriebe auch in Zukunft erfolgreich sein sollen, müssen wir bei Ausbildung, Fachkräften, Vereinbarkeit von Familie und Beruf und beim Bürokratieabbau ansetzen. Gute Rahmenbedingungen sind die beste Zukunftssicherung für das Handwerk.“